Amerikanisches Gericht erklärt Poker für ein Skill-Game
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- Arved Klöhn, Mittwoch. 22. August 2012
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- skill, regulierung, justiz
In einem Urteil mit möglicherweise weitreichenden Konsequenzen erklärte ein amerikanischer Bundesrichter Poker für ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem Glück langfristig nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Erstmals hat ein amerikanisches Gericht auf Bundesebene anerkannt, dass der Geschicklichkeitsfaktor beim Poker eine maßgebliche Rolle spielt und auf Grundlage dessen ein anders lautendes Urteil revidiert.
Vorgeschichte
Dem Prozess vor dem Bundesgericht vorausgegangen war die Verurteilung von Lawrence Dicristina, dem vorgeworfen wurde, ein illegales Pokerspiel betrieben zu haben. Verurteilt wurde Dicristina am 9. Dezmber 2011 von einem amerikanischen Gericht wegen Verstoßes gegen den 1955 erlassenen Illegal Gambling Business Act (IGBA), welcher pseudo-gewerbliche Glücksspiele außerhalb von lizensierten Spielstätten verbietet.
Mit dem Verweis darauf, dass Poker eben kein Glücksspiel ist und deswegen nicht unter die von dem IGBA verbotenen Angebote zähle, wandte sich Lawrence Dicristina an das amerikanische Bundesgericht.
Poker als Geschicklichkeitsspiel
Die Verteidiger von Lawrence Dicristina trugen dem Bundesgericht mehrere Statistiken, Simulationen und Daten vor, die untermauern sollten, dass Poker ein Geschicklichkeitsspiel sei. Unterstützt wurde die Verteidigung dabei von der Poker Play Alliance (PPA), welche sich in den USA seit mehreren Jahren für eine sinnvolle Regulierung und Legalisierung von Poker und Online-Poker einsetzt. Dabei stützte sich die Verteidigung weitgehend auf vorliegende Daten vom Online-Poker und betrachtete das Spiel über einen Zeitraum von mehreren tausend Händen.
Der Argumentation der Verteidiger nach zeige sich nach einem längeren Zeitraum ein klares Gefälle bei den Spielern, welches eindeutig darauf hinweise, dass Geschicklichkeit der dominante Faktor beim Poker sei.
Mit mehren Diagrammen verdeutlichten sie die Daten. Hier eine Auswahl:
Gewinne/Verluste über den Zeitraum 2011/2011 beim Online-Poker auf NL$1k für die zehn besten und zehn schlechtesten Spieler
Gewinnquote in Abhängigkeit vom Skill der Spieler beim Online-Poker auf NL$200
Gewinne mit der Beispielhand K9o; links: Spieler, die mit allen anderen Händen zusammen besser abschnitten; rechts: Spieler, die mit allen anderen Händen zusammen schlechter abschnitten
Auf englisch ist das komplette Memorandum des Prozesses und Urteils auf Scribd zu finden.
Das Urteil des Gerichtes zu Gunsten von Poker
Richter Jack Weinstein
Der vorsitzende Richter, Jack Weinstein – 91 Jahre, ließ sich auf die Argumentation der Verteidigung ein und kam zu dem Schluss, dass “Poker, so wie es der Angeklagte angeboten hatte, nicht vorrangig vom Glück abhängt und deswegen kein Glücksspiel sei”.
Auswirkungen des Urteils
Landesweit wird das Urteil in den USA vorerst keine direkten Auswirkungen haben. Da dort in dem meisten Fällen die einzelnen Bundesstaaten eigene gesetzliche Regelungen bezüglich des Glücksspiels haben, wird es sehr schwer sein, dieses Urteil als Präzedenzfall heranzuziehen. Sobald Poker (oder auch Online-Poker) irgendwo explizit von einem Gesetz verboten ist, hat dieses Urteil keine Auswirkungen. Im Grunde richtet sich dieses Urteil zunächst nur gegen die schwammige Formulierung des uralten IGBA und war nur aufgrund der dort nicht getroffenen expliziten Nennung von Poker möglich.
Nichtsdestominder wird dieses Urteil eine deutliche Signalwirkung für weitere Urteile haben und kann zu der Neubewertung von Gesetzen führen. Insbesondere in Bezug auf die einheitliche Regulierung von Online-Poker in den USA kann dieses Urteil als Referenz in Streitfragen herangezogen werden.
In der laufenden Debatte bezüglich der Regulierung kann sich dieses Urteil noch als sehr wertvoll für die Anbieter und Spieler erweisen.
Kommentare





















91Jahre? Verstehe nicht das man in dem Alter noch wichtige Entscheidungen treffen darf. Bei den meisten in dem Alter is de rübe schon etwas eingestaubt.
@jackbot
Das Alter ist schon verwunderlich. Aber ich denke, sie ist vor allem bei denen eingestaubt, die pünktlich in Rente gehen, sie weit weg in ein tiefes Regal legen und nie wieder benutzen. Guck dir mal Doyle Bronson an, der ist ja auch schon bald 80. Aber er ist im Kopf fit genung, um noch auf dem Sterbebett Poker zu spielen.
Beim schreiben dachte ich dann auch den nur mit Karten zu spielen und im nen Gericht den Vorsitz zu haben is schon nen Unterschied. Oder wenn ich Leute sehe die sich noch kaum auf de Beine halten können und dann in nen Auto steigen mit weit über dreihundert ps da bekomm ich schon Angst um die Allgemeinheit. Im Alter is man zwar Weise aber muss es denn so Weise sein. Naja wird alles schon richtig sein
das ist ein großer tag für alle von uns. in 3-5 jahren wird das dann wie gewöhnlich hier auch so sein. nd ich hab auch grad noch nen dicken upswing…
Da hat der Richter sich ein schönes Ei ins Nest gelegt.Poker ist und bleibt ein Glücksspiel,denn der Spieler hat keinen Einfluss auf die Karten.Nur durch Geschicklichkeit kann ein Spieler sein Gewinn oder Verlust beeinflussen.
Thank you Jack! Der Prozessverlauf ist recht spannend zu lesen, da nicht nur Stats analysiert, sondern auch gute Argumente auf den Tisch kamen. Aktuell auch (zumal aus Europa) eine gleichlautende Studie der Uni Rotterdam.
Auch aus Anlass der Glücksspielgesetz-Novellierung (das liberale Modell der Nörds soll wieder gekippt werden, https://twitter.com/ZockerLobby) sollten wir die Politiker damit konfrontieren.