15 Prozent Steuern auf Poker in Großbritannien?
- By
- Arved Klöhn, Freitag. 23. März 2012
- Tags
- uk, steuern, regulierung, justiz
Die britischen Inseln haben eine ungemein liberale Gesetzgebung bezüglich Online-Glücksspiel. Jetzt erwägt der Staat, die Anbieter wesentlich weitreichender zu schröpfen.
In Großbritannien lizensierte Wett-, Poker- und Glücksspielanbieter zahlen schon seit 2007 15 Prozent Steuern auf den Brutto-Gewinn. Diese zwar noch halbwegs moderate Besteuerung war den meisten britischen Anbietern jedoch ein zu spürbarerer Einschnitt, so dass sie ihren Firmensitz von Großbritannien in ein Übersee-Department verlegten.
Die britischen Gesetze erlauben explizit das Angebot von Online-Glücksspiel, wenn das Unternehmen in einem vom Department for Culture, Media and Sports (DCMS) genehmigten Territorium lizensiert ist. Zu den genehmigten Territorien gehören unter anderem die Kanalinseln Isle of Man, Alderney, Gibraltar und Malta. Nach 2007 wanderten fast alle großen britischen Anbieter aus, um der Besteuerung zu umgehen.
Im letzten Jahr schlug der zuständige Minister John Penrose vor, die Übersee-Lizenzen in britische Lizenzen umzuwandeln. Damit wären höchstwahrscheinlich alle Unternehmen wieder in Großbritannien steuerpflichtig gewesen.
Britischer Schatzkanzler
George Osborne
Der britische Finanzminister (der dortige Titel ist deutlich wohlklingender: Schatzkanzler) George Osborne machte die Pläne von Penrose nun jedoch mit einer radikalen Lösung zunichte. In Zukunft sollen alle in Großbritannien operierenden Unternehmen Steuern auf die mit britischen Kunden erwirtschafteten Gewinne zahlen. Ab Ende 2014 soll diese Regelung gelten, wobei der Satz von 15 Prozent auf den Brutto-Gewinn beibehalten werden soll.
Wie diese Besteuerung umgesetzt werden soll ist noch unklar, da höchstwahrscheinlich den Anbietern die technischen Details überlassen werden. Doch werden diese, wenn die Regelung in dieser Form umgesetzt wird, ab Ende 2014 ihre Gewinne gegenüber dem britischen Finanzministerium aufschlüsseln müssen und die Abgabe entrichten, wenn sie keine Sperre in Großbritannien riskieren wollen. Abgewälzt wird die Abgabe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zunächst auf die Spieler, die in diesem Fall mit höherer Rake oder schlechteren Wett-Quoten rechnen müssen.
Im Gegensatz zum Penrose-Vorschlag ist die grundsätzliche Besteuerung der Unternehmen ein Rückschritt in der transparenten Regulierung des Glücksspielmarktes. Die Unternehmen erhalten im Gegenzug für die entrichteten Steuern nichts vom Staat – keine britische Lizenz und keine weitere Rechtssicherheit. Sie können weiterhin aus Übersee-Territorien operieren und den Spielern bleibt weiter der fade Beigeschmack, außerhalb einer rechtlich abgesicherten Regulierung zu spielen.
Kommentare






















‘so dass sie ihren Firmensitz von Großbritannien in ein Übersee-Department verlegten’
Die ‘genehmigten Territorien’ sind natürlich auch so eine Sache, halten wir einfach fest: Steuergesetzgebung in Great Britain, Common Wealth und so, ohnehin verhunzt…
und die Verluste kann ich abschreiben oder wie?!
Nein, ist je keine Einkommenssteuer, sondern eine Unternehmensbesteuerung. Als Spieler hat man keine Änderungen zu erwarten. Natürlich sinkt so die Gewinnmarge der Anbieter, aber ein gesunder Wettbewerb wird dazu führen, dass rake und quoten nicht zu nachteilig werden. 15% auf den Gewinn ist nicht viel im Vergleich zu anderen Steuerarten. Ich würde die Entwicklung nicht als Rückschritt bewerten. Immerhin könnnen sich Anbieter ja nun auch wieder in GB ansiedeln ohne Nachteile zu haben. Dazu kommt: Nur durch die Erhebung solcher Steuern kann Onlinepoker langfristig legalisiert werden. Ansonsten wird der Staat (egal welcher) kein Onlinepoker dulden. Es ist auch bei Weitem besser hier Unternehmensgewinne zu versteuern, ansonsten müsste man Spielereinlagen oder Auszahlungen versteuern und das will ja wohl hier niemand.
“In Zukunft sollen alle in Großbritannien operierenden Unternehmen Steuern auf die mit britischen Kunden erwirtschafteten Gewinne zahlen.”
Unternehmen zahlen Steuern, es scheint sich hier um eine Extra-Steuer auf den Pokerbetrieb im Internet zu handeln.
Extrasteuern werden gerne gemieden, man darf an der Vollziehbarkeit der Maßnahme zweifeln und Unternehmensabreisen erwarten.
Anders formuliert: Es geht hier um das Publikum, um die Wählerschaft, das niedrig bedient werden will und niedrig bedient wird von seinen Politikern. Jeder so, wie er es braucht! – Das Internet und seine Dienste sind dagegen weitgehend frei und flexibel, Politiker verstehen das oft nicht und wollen es – wg. Publikums – auch nicht verstehen.
Sky