Legalisierung von Online-Poker in den USA – Ein düsteres Bild für PokerStars & Co.

Immer mehr Bundesstaaten streben in den USA die Lizenzierung von Online-Poker an. Ein gewaltiges Wörtchen haben dabei die Casino-Gruppen mitzureden, schließlich hoffen sie, von dem gewaltigen finanziellen Kuchen ein großes Stück herauszuschneiden.

Die Lizenzierung in den USA wird derzeit auf bundesstaatlicher Ebene vorbereitet. Zuletzt legte auch Mississippi einen Gesetzentwurf zur Legalisierung und Lizenzierung von Online-Glücksspiel vor. Unter anderem auch Nevada, Kalifornien und D.C. haben die Lizenzierung weit vorangetrieben in der Hoffnung die klammen Staatskassen durch besteuertes Online-Glücksspiel anzureichern.

Gemein ist fast allen Gesetzentwürfen, dass sie das Spiel auf die jeweiligen Gebiete eines Bundesstaats beschränken wollen, also eine vollständige Separation der Spieler erfolgte. Auch stehen die bestehenden Casino-Gruppen an vorderster Stelle wenn es um das Erhalten der Lizenzen geht. Diesen wird schon allein deshalb vertraut, weil sie seit Jahrzehnten Glücksspiel in Live-Casinos anbieten und in den Staaten versteuern. Aber nicht zuletzt haben diese Gruppen auch eine enorm starke Lobby und können darüber weitreichenden Einfluss auf die Gesetze nehmen.

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In die Röhre schauen könnten unter diesen Bedingungen die etablierten Online-Glücksspiel-Seiten wie PokerStars, 888 oder PartyPoker. Außer technischer Expertise haben sie nichts anzubieten, was den Staaten oder den Casino-Gruppen nützlich scheint. Sie könnten deswegen bei den Lizenzen außen vor bleiben oder nur als Beiboot im Fahrwasser eines amerikanischen Casinos zurück an den amerikanischen Markt kommen.

Ob sich das abzeichnende amerikanische Lizenz-Modell eines komplett separierten Marktes am Ende überhaupt langfristig durchsetzen wird, steht auf einem anderen Blatt. Absurd erscheint die Vorstellung, dass irgendwann jeder der 50 Bundesstaaten seinen eigenen Spieler-Pool haben wird, allemal.

Stephen Foley schrieb dazu in der britischen Zeitung The Independent:

Verglichen mit der Erhöhung bestehender Steuern (…) wirkt das Einziehen von Gebühren von Online-Poker-Tischen für Politiker der Bundesstaaten sehr verlockend. Bis zum Jahr 2006 haben amerikanische Spieler 3 Milliarden Dollar jährlich auf internationalen Seiten umgesetzt.

Diese Wettsucht haben internationale Firmen, viele mit Sitz in London, bedient ohne auch nur einen einzigen Penny Steuern in den USA zu zahlen. Die Frage ist, wie lange einzelnen Staaten der Legalisierung noch widerstehen können. Richard Bronson, ein Casino-Business-Veteran meint: “Nicht viel länger. (…) Ich habe vor kurzem mit einem Gouverneur gesprochen und er sagte, ‘Ich will, ich bin bereit dazu, aber kann jemand anderes den ersten Schritt machen?’”(…)

Ein wichtiger Punkt bei der Lizenzierung: Bundesstaatliche Politik spielt eine große Rolle. (…) Lizenzen zu erlangen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Die großen Gewinner werden wahrscheinlich die bestehenden Casino-Unternehmen sein, welche sich schon als vertrauenswürdige Lizenznehmer bewährt haben. Londoner Online-Wett-Unternehmen, die wieder Fuß auf dem amerikanischen Markt fassen wollen, suchen Partnerschaften mit den Casinos, werden aber höchsten Junior-Partner bei diesen Deals sein. (…)

Nach Richard Bronsons Vorschlag zur Lizenzierung kann nur amerikanischen Casino-Unternehmen und bestehenden Lizenznehmer vertraut werden, eine rechtmäßige Online-Wett-Plattform zu betreiben und Arbeitsplätze, sowie Umsatz in die Bundesstaaten zu bringen. Die Lizenzbehörden sollten die Firmen missbilligen, die dereinst die US-Gesetze missachteten, um amerikanische Spieler an ausländische Seite zu lotsen, so Bronson und wer kann sagen, ob seine Worte nicht Gewicht haben werden?

» Vollständiger Artikel auf englisch


Kommentare


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  • Sky
  • 25.02.12

Ist es eigentlich nicht allgemein bekannt, dass das Web und seine Dienste nicht reglementierbar sind, dass man einfach einen Web-Proxy mieten kann, tue ich ja auch, und dann ungebunden unterwegs ist, gerade auch wenn der Proxy auf Logging und Teilnahme am Rechtssystem verzichtet?

Insofern bin ich auch ein wenig desorientiert, wenn ich lese, dass Pros nach Kanada oder Mexico diffundieren, um von dort aus zu spielen. Muss man doch gar nicht! Web ist frei.

MFG

Sky


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  • @sky
  • 26.02.12

Wird halt beim Auscashen schwierig. bwin will z.B. Persokopien als Verifikation, wie es bei den anderen Seiten aussieht, weiß ich nicht.

@Artikel: “Absurd erscheint die Vorstellung, dass irgendwann jeder der 50 Bundesstaaten seinen eigenen Spieler-Pool haben wird, allemal.” So absurd ist das nicht. Hierzulande hast ja auch schon die Unterteilung/Ausgrenzung von Italienern, Franzosen, Dänen, (bald) Spanieren…


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  • Brooklyn
  • 26.02.12

Ich denke, das schlaueste System für die USA wäre etwas, das so ähnlich ist wie win2day in Österreich, also ein staatlich konzessierter Anbieter, der überprüft wird und auf den man sich verlassen kann und der dann eventuell auch Offline-Casinos anbietet und da übergreifende Events möglich macht etc. Ist auch das sicherste und auf das legen die ja scheinbar hohen Wert (was ich auch voll und ganz verstehen kann – gerade jetzt nach dem Black Friday und dem ganzen Mist, der da mit den Spielern passiert ist).


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  • icedirk
  • 28.02.12

Ist ja wohl klar das Pokerstars und die anderen Anbieter in den USA keine Chance haben, das FBI weiß längst das dort nur Betrüger abzocken. Tongue



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