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Bluffs und Value-Bets in ähnlichen Situationen

Vor kurzer Zeit ertappte mich ein Kollege dabei, dass ich in zwei sehr ähnlichen Situationen zwei sehr unterschiedliche Ratschläge gab. Es handelte sich jeweils um eine River-Entscheidung bei der auf dem River eine gefährliche Karte ankam. In der einen Hand riet ich, mit einem geplatzten Draw zu bluffen, da der Gegner selbst nicht viel haben könne. In der anderen Hand – das Board war fast identisch – riet ich zu einer dünnen Value-Bet, da der Gegner mit einer Menge schlechterem Kram die Bet callen würde.

Es handelte sich hierbei um den selben Gegner mein Kollege fragte verdutzt, wie es denn sein kann, dass in praktisch der selben Situation sowohl Bluff als auch Value-Bet erfolgreich sein können. Hier will ich nun an zwei Beispielen zeigen, dass bei dem selben Gegner und dem selben Board beide Züge profitabel sind. Das einzige, was diese Beispiele unterscheidet sind die eigenen Karten.

Beispiel 1: Ein profitabler Bluff

Sie halten in einer NL100-Partie D7D6 auf dem Button. Nachdem alle Spieler zu Ihnen passen, erhöhen Sie auf $3. Nur der Big Blind callt. Er ist eine loose Granate, die den Big Blind mit allem, was auch nur halbwegs spielbar aussieht, verteidigt. Der Big Blind ist ferner sehr passiv und auch nach dem Flop ziemlich loose.

Der Flop kommt H10D8H2 und gibt Ihnen einen Gutshot, sowie einen Backdoor-Flushdraw. Ihr passiver Gegner checkt und Sie bringen in den $6 Pot eine $5 C-Bet. Der Big Blind callt. Auf dem Turn kommt die C3 und wieder checkt Ihr Gegner.

Sie können hier eine zweite Salve in Betracht ziehen. Ihr looser Gegner callt Ihre C-Bet auf dem Flop mit sehr vielen schwachen Händen wie einem einsamen Ass oder einer Hand wie König-Dame. Diese Hände können Sie mit einer zweiten Salve vertreiben. Doch müssen Sie dann auch viele River bluffen, da Ihr Gegner Sie weiterhin mit fast allen Paaren und Draws callen wird. Mit den meisten seiner Draws schlägt Ihr Gegner Sie auf dem River selbst dann, wenn er seinen Draw verpasst, da Sie höchstwahrscheinlich nur 7-hoch vorweisen können. Deswegen verpflichtet eine zweite Salve zu einer dritten Salve, da die zweite Salve allein nicht profitabel sein wird, wenn Sie Ihren Bluff auf dem River aufgeben.

Alternativ können Sie auf dem Turn auf die zweite Salve verzichten und ebenfalls checken. Dann können Sie nach vielen River-Karten einen Erfolg versprechenden Bluff in Angriff nehmen. Im konkreten Beispiel tun Sie genau dies.

Nach Ihrem Check kommt der Hk auf dem River. Wieder checkt Ihr Gegner. Der River ist perfekt für einen Bluff. Zum einen ist der König eine Overcard zum Board, zum anderen wird Ihr Gegner Angst vor dem Flush haben. Sie setzen $13 in den $16 Pot.

Warum verspricht ein Bluff auf diesem River so viel Erfolg?

Das Spektrum Ihres Gegners ist nach dem Call auf dem Flop und den Checks auf Turn und River sehr weit. Tatsächlich kann ein looser, passiver Gegner hier alles Mögliche haben: Ass-hoch, einen geplatzten Straight-Draw, ein kleines Paar, ein viel zu langsam gespieltes Set, einen Flush oder noch andere Hände.

Dies ist ein halbwegs realistisches Spektrum Ihres Gegners:

Typ Karten Anzahl Kombinationen
Flush Sehr viele XhXh-Hände 30
Set 33,22,88,TT 12
Two Pair KT, T8, K8 27
Top Pair AK, KQ, KJ 36
2nd Pair AT, QT, JT, T9, T7 60
3rd Pair A8, Q8, J8, 98, 87, 86 72
Kleines Pocket Pair 99,44-77 24
Ass-hoch AQ, AJ, A9 48
Geplatzter Draw QJ, Q9, J9, 97, 76 69

Es ist vernünftig, anzunehmen, dass Ihr Gegner eine Bet auf dem River mit jeder Zehn und jeder besseren Hand callen (oder raisen) wird, alle anderen Hände jedoch passen wird. Vielleicht callt Ihr Gegner auch hin und wieder mit einer Acht, doch wird er in der Regel einsehen, dass sein 2nd-Pair auf dem River zum 3rd Pair degradiert wurde, ein wenig Angst vor dem Flush haben und seine Acht entsorgen.

Wenn Ihr Gegner mit 2nd-Pair oder besser callt oder raist, wird er mit 165 Kombinationen callen oder raisen und mit 213 Kombinationen passen. Sollte Ihr Gegner raisen, können Sie Ihr 7-hoch getrost wegwerfen.

Sie werden so in 56% der Fälle – immer wenn Ihr Gegner passt – den Pot mit $16 gewinnen. In 44% der Fälle callt oder raist Ihr Gegner, woraufhin Sie Ihren River-Einsatz in Höhe von $13 verlieren. Alles in Allem machen Sie mit der River-Bet langfristig einen Gewinn in Höhe von über $2 ( + $16 * 56% – $13 * 44%).

Ein Bluff gegen diesen Gegner auf diesem Board ist also profitabel.

Banner: The Raiser's Edge

Beispiel 2: Eine profitable Value-Bet

Es handelt sich bei diesem Beispiel um den selben Verlauf, das selbe Board und den selben loosen, passiven Gegner wie in Beispiel 1. Allerdings halten Sie diesmal nicht D7D6, sondern DkD3. Wieder raisen Sie aus dem Button und bringen eine C-Bet auf dem H10D8H2 Flop. Auf dem C3 Turn checken Sie Ihr Paar (Über Sinn und Unsinn dieses Zuges gegen einen loosen, passiven Gegner muss man streiten!) und auf dem Hk River stolpern Sie in Two-Pair.

Wieder checkt Ihr Gegner und Sie müssen sich entscheiden, eine Value-Bet zu bringen. Im vorigen Beispiel war ein Bluff angeraten, kann dann jetzt eine Value-Bet ebenfalls vernünftig sein?

Schauen wir uns abermals das Spektrum des Gegners an. Aufgrund Ihrer eigenen Karten verändert sich die Anzahl seiner Kombinationen ein klein wenig:

Typ Karten Anzahl Kombinationen
Flush Sehr viele XhXh-Hände 30
Set 33,22,88,TT 10
Bessere Two Pair KT, K8 12
Schlechtere Two Pair T8 9
Top Pair AK, KQ, KJ 24
2nd Pair AT, QT, JT, T9, T7 60
3rd Pair A8, Q8, J8, 98, 87, 86 72
Kleines Pocket Pair 99,44-77 24
Geplatzter Draw QJ, Q9, J9, 97, 76 69
Ass-hoch AQ, AJ, A9 48

Es ist anzunehmen, Ihr Gegner passt weiterhin den schlechten Teil seines Spektrums (3rd Pair und abwärts) und callt mit dem anderen Teil. Weiterhin ist es vernünftig, anzunehmen, dass Ihr passiver Gegner höchstens mit einem Set oder einem Flush raist. Sie können so nach einen Raise auf dem River getrost folden.

Ihr Gegner wird Sie mit 145 Kombinationen callen. Von diesen schlagen Sie 93 und liegen nur gegen 52 zurück. Mit 213 Kombinationen passt Ihr Gegner einfach. Sie sind also – wenn Sie gecallt werden – in ungefähr 64% der Fälle vorne und machen so mit Ihrer Value-Bet einen Profit. Im Schnitt gewinnen Sie durch eine Value-Bet in Höhe von $13 auf dem River $1,50.

Es zeigt sich also in Beispiel 2: Auch die Value-Bet ist profitabel.

Warum sind beide Beispiel profitabel?

Der Grund, warum in der selben Situation Bluff und Value-Bet profitabel sein können ist folgender: Bei einem Bluff kommt es nur darauf an, dass Ihr Gegner häufig genug passt. Für eine Value-Bet kommt es vor allem darauf an, dass Sie in den Fällen, in denen Ihr Gegner callt, zu über 50% vorne liegen.

Ist das Spektrum Ihres Gegner sehr weit, kann beides gleichzeitig eintreten. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn es sich um einen sehr loosen Gegner handelt, der Flops und Turns mit jedem beliebigen Draw und Paar callt. Solche Gegner haben auf dem River ein so enorm weites Spektrum, dass man – je nach der eigenen Hand – entweder bluffen oder melken kann.


Kommentare


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  • Tom
  • 11.07.11

Solche Gegner lassen sich nur leider schlecht bluffen, da sie mit ihrem 3rd Pair und schlechterem meißtens noch callen.


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  • wie ähnlich?!
  • 12.07.11

also zwischen zwei Paar und Sieben hoch liegen im Poker schon Welten aber wenn man will kann man alles als ähnlich sehen.


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  • Hmmm
  • 12.07.11

OK, alle Berechnungen sind von mir aus halbwegs richtig. Die Situationen nach gedealtem River sind aber absolut unterschiedlich. Das “ähnliche”, also das betten geschieht ja aus absolut unterschiedlichen Situationen heraus. Natürlich bringe ich in Beispiel 2 eine Value mit meiner auf diesem Board und nach diesem Verlauf starken Hand. Und die Bluff Bet in Beispiel 1 ist von mir aus auch ok (dann muß man aber natürlich die genau richtige Bethöhe finden, damit es wirklich langfristigen Gewinn einbringt). Naja, wie auch immer…


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  • Krisu
  • 12.07.11

also muss sagen, ich versteh dass auch nicht ganz. würde aber gerne wissen warum dass eine ähnliche situation ist!! wäre cool wenn dass jemand erläutern könnte (Arved??) wäre super wenn da ein nachtrag kommen würde! Smile Smile