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Strategietipps – Kill Everyone: Analyse eines professionellen Sit ’n Go (2/3)

Nachdem wir letzte Woche die ersten Hände des Einladungsturniers in Monte Carlo analysiert haben, wenden wir uns jetzt ausführlich den Händen 3 bis 8 zu.

Im Buch “Kill Everyone” wird die Endphase Turniers ausführlich analysiert. Die ersten Hände haben wir letzte Woche vorgestellt.

Hand 3

Blinds 8.000/16.000 Ante: 3.000

Spieler Chips CSI Position Karten Aktion vor dem Flop
Juanda 282.000 8,8 CO DjC5 Raise auf 45k
Ulliott 301.00 9,4 BU C6D2 Fold
Ivey 195.000 6,1 SB H8D3 Fold
Ferguson 222.000 6,9 BB HaD6 Fold

Juanda bringt einen untypischen Raise und gewinnt die Blinds. Er war bislang tight und raiste selten, folglich erhielt sein Raise aus erster Position viel Respekt. Ferguson glaubt ihm eine starke Hand und foldet seine A6o. Juanda brachte diesen Raise im Wissen, dass keiner der Blinds callt, sofern der betreffende Spieler keine ausreichend starke Hand für ein All-In hat. Er kann diese zwingen, ihren gesamten Stack aufs Spiel zu setzen, während er selbst nur einen Bruchteil seines eigenen Stacks riskiert. Beachten Sie folgendes: Beabsichtigt Juanda auf einen Reraise zu folden, ist es genauso gut mit 72o zu raisen wie mit J5o. Seine Absicht besteht darin, aufgrund seines tighten Rufs kampflos die Blinds einzustreichen.

Hand 4

Blinds 8.000/16.000 Ante: 3.000

Spieler Chips CSI Position Karten Aktion vor dem Flop
Ulliott 398.00 9,3 CO CqH9 Raise auf 40k / Fold
Ivey 184.000 5,8 BU HjH3 Fold
Ferguson 203.000 6,3 SB H5S2 Fold
Juanda 315.000 9,8 BB CkDq All-In

Ulliott kehrt zu seiner aggressiven Vorgehensweise zurück und raist auf 40.000. Dies ist ein recht niedriger Raise von nur 2,5 BB und aufgrund des Antes bekommen die Blinds gute Pot Odds (etwa 2 zu 1) für einen Call. Juanda reraist, weil er weiß, dass Ulliott aggressiv raist. Da die beiden großen Stacks aufeinanderprallen, ist Ulliotts Bubble- Faktor recht hoch (1,73) und Juanda weiß, dass sein Gegner nicht sehr oft callen kann. Dies ist eine weniger extreme Version der Situation in Qualifikationsturnieren, wo ein niedrigerer Raise als ein All-In knifflig sein kann.

Hand 5

Blinds 8.000/16.000 Ante: 3.000

Spieler Chips CSI Position Karten Aktion vor dem Flop
Ivey 181.000 5,7 CO HjD7 Fold
Ferguson 192.000 6,0 BU D9C2 Fold
Juanda 368.000 11,5 SB [th]S8 Raise auf 48k
Ulliott 259.00 8,1 BB H5H4 Call

Erneut prallen die beiden großen Stacks aufeinander. Ivey und Ferguson haben klare Folds. Juanda hat eine spielbare Hand für eine Konfrontation der Blinds und sowohl ein Call als auch ein Raise sieht brauchbar aus. Da Ulliott häufig raisen würde, wenn Juanda callt, entscheidet sich Letzterer für die aggressivere Variante. Er hofft, den Pot direkt zu gewinnen, wird er aber gecallt, hat er trotz der schlechteren Position eine spielbare Hand. Natürlich würde Juanda folden, falls Ulliott reraist.

Ulliotts Call ist Standard, da er mit einer spielbaren Hand, die auf dem Flop leicht zu bewerten ist, Position hat.

Auf dem Flop kommen S3S4S5 und im Pot befinden sich 108.000. Juanda bringt eine Continuation Bet von 60.000 und Ulliott geht mit seinem Top Two Pair All-In. Juanda foldet trotz seines Flush Draws mit zwei Overcards. Juanda bekommt Odds von 1,81 zu 1 und sein Bubble- Faktor ist 1,37, wodurch er Turnier-Odds von 1,32 zu 1 bekommt. Er muss in etwa 43 Prozent der Fälle gewinnen, um callen zu können. Juanda wäre gegen eine Hand wie DaH5 51 zu 49 favorisiert, falls aber Ulliott eine höhere Pik-Karte oder eine sehr starke fertige Hand hat, steckt Juanda in ernsten Schwierigkeiten. Ein Fold scheint die richtige Spielweise zu sein.

Hand 6

Blinds 8.000/16.000 Ante: 3.000

Spieler Chips CSI Position Karten Aktion vor dem Flop
Ferguson 189.000 5,9 CO SaDq All-In
Juanda 267.000 8,3 BU HqC4 Fold
Ulliott 366.00 11,4 SB DaC8 Fold
Ivey 178.000 5,6 BB CqC2 Fold

Ferguson geht zu Recht mit einer starken Hand All-In, bekommt aber keine Action. Beachten Sie, dass Ferguson im Unterschied zu einigen Anfängern mit einer starken Hand keinen niedrigeren Raise brachte. Er geht genauso wie mit seinen schwächeren Händen All-In. Bei seinen All-Ins schützen die stärkeren Hände die schwächeren und können zu einem fetten Gewinn führen, wenn er gecallt wird. Ulliott bekommt mit seinen DaC8 Pot Odds von 1,25 zu 1 und er hat einen Bubble-Faktor von 1,21 sowie Turnier-Odds von 1,03. Ulliott müsste davon ausgehen, dass Ferguson in mehr als 35 bis 40 % der Fälle All-In geht, damit sein Call korrekt ist. Ein Fold ist daher vernünftig. Kein anderer Spieler kann einen Call ernsthaft in Betracht ziehen.

Hand 7

Blinds 8.000/16.000 Ante: 3.000

Spieler Chips CSI Position Karten Aktion vor dem Flop
Juanda 264.000 8,3 CO D8C5 Fold
Ulliott 355.00 11,1 BU S5H2 Fold
Ivey 159.000 5,0 SB CqS3 All-In
Ferguson 222.000 6,9 BB H6C2 Fold

In dieser Hand stiehlt Ivey geschickt aus dem Small Blind. Vielleicht unterschätzte Lederer Iveys Spielstärke bei kleinen Stacks? Der Equilibrium-Zug ist für Ivey, in 67 % der Fälle zu raisen und für Ferguson in 30 % der Fälle zu callen. Q3o besitzt zwar leicht negativen EV, wenn Ferguson so oft callt, aber wieder muss gesagt werden, dass die meisten Spieler (und sogar die Profis) nicht so oft callen, wie die Equilibrium-Strategie es empfiehlt. In der Regel ist es korrekt, solange seltener zu callen, bis man feststellt, dass der Gegner ein aggressiver Spieler ist, der sehr oft stiehlt. Dies liegt daran, dass die meisten Spieler nicht so oft stehlen wie das Equilibrium nahe legt, wodurch man für den Call eines versuchten Steals eine stärkere Hand braucht.

Das Thema begleitet uns durch das gesamte Buch: Die meisten Spieler gehen seltener All-In und callen seltener als es der Equilibrium-Strategie entspräche. Da man im Durchschnitt mit stärkeren Händen konfrontiert ist als es den Equilibrium-Zügen entspräche, ist die geringere Häufigkeit der Calls vermutlich richtig. Der korrekte Weg, diese Verhältnisse auszunutzen ist, häufiger als laut Equilibrium-Strategie All-in zu gehen und seltener zu callen.

Hand 8

Blinds 8.000/16.000 Ante: 3.000

Spieler Chips CSI Position Karten Aktion vor dem Flop
Ulliott 352.00 9,3 CO HaD4 Raise auf 42k / Fold
Ivey 184.000 5,8 BU DjC8 Fold
Ferguson 203.000 6,3 SB CaC4 Fold
Juanda 261.000 9,8 BB SaC5 All-In

Dies ist eine sehr interessante Hand, da drei Spieler ein Ass haben. Ulliotts Raise ist angebracht, aber erneut sollte er höher raisen, damit Juanda keine ausreichenden Odds bekommt, um sich mit einem Call den Flop anzuschauen. Lederer war bei seinem Kommentar zu dieser Hand überrascht, dass Ferguson nicht All-In ging. Nimmt Ferguson an, dass Ulliott mit den besten 30 % seiner Hände einen Eröffnungsraise bringt und einen Reraise mit den besten 10 % einen Reraise callt, ist ein All-In mit A4s leicht profitabel. Vermutet er, Ulliott würde häufiger einen Eröffnungs-Raise bringen, wird ein All-In attraktiver. Unseres Erachtens trifft dies vermutlich zu und folglich wäre es ein Fehler von Ferguson zu folden, allerdings kein grober. Juanda kommt zu dem Schluss, dass A5o ausreichen, um Ulliott wie in Hand 4 in die Knie zu zwingen. Ulliott bekommt 1,48 zu 1 Pot Odds und hat einen Bubble-Faktor von 1,40 sowie Turnier-Odds von 1,05. Ulliott kann nicht callen.

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Nächste Woche geht es mit den letzten Händen weiter. Das Buch Kill Everyone gibt es bei Pokerbooks.


Kommentare


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  • Nick Name
  • 13.06.11

Das schöne an Pokerbüchern sind, neben der Wissensvermittlung, unerwartete aber gelungene humoristische Einlagen. Hier eine Kostprobe:

“If you are the first one in with A-A, K-K or A-K, you should raise. If somebody has raised in front of you, you should be aggressive Laugh and reraise.”

Aus Super System 2, Kapitel 9 Limit Holdem Poker !!!!

Also zumindest für Fans von Udo Gartenbach sollten hier feuchtgelachte Augen garantiert sein.


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  • Beeblebreed
  • 13.06.11

Wie auch immer: Eines der wenigen guten Pokerbücher. Möglicherweise heute nicht mehr ganz aktuell.


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  • Sky
  • 14.06.11

Der Bubble-Faktor (Wie wir der berechnet?) berücksichtigt die etwas ungewöhnliche Preisstruktur, korrekt?

Zudem gilt: Haben wenigstens zwei der beteiligten Spieler vorab Preisteilung [1] vereinbart, kannscht den Bubble-Faktor und andere ICM-Überlegungen in den Müllsack werfen…

Sky

[1] Es ist nicht einmal klar, ob das Collusion wäre…


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  • Robert
  • 14.06.11

Heute nicht mehr aktuell ? AA nicht gegenraisen ? Nur Gartenbach hätte das in the Dark gefoldet, und damit wahrscheinlich nicht verloren …


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  • Sky
  • 14.06.11

@Nick Name AK wird manchmal nicht ge3- oder ge4bettet, denn man trifft oft nicht und steht dann am Flop im Hemd. Gerade auch in schlechter Position. – Zudem sinken die Implied Odds, wenn Du triffst.

D.h. das o.g. Raisen muss auf jeden Fall gebalanced werden und das ist nicht jedermanns Sache. Smile

Der Tipp ist an sich schon richtig.

Sky


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  • Sky
  • 14.06.11

Nachtrag: Du hast im Verhältnis 4:3 AK.


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  • Nick Name
  • 14.06.11

Also bei No Limit würd ich ja noch grundsätzlich zustimmen aber bei Limit ??? für mich wär ein reraise Standard.


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  • Stammleser
  • 14.06.11

@nickname: wo ist denn das Problem? Dass man die drei Starthände reraisen “sollte” und nicht “muss”? @sky: Man darf auch nicht vergessen, wenn einer ganz dringend auf Toilette muss, weil sonst seine Blase platzt, ist sein Bubble-Faktor auch niedriger, weil früher auf Toilette zu kommen einen größeren Life-EV hat und er kann somit lighter pushen und callen…


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  • Sky
  • 14.06.11

@Stammleser Aja. – Aber das mit den ICM-Überlegungen, die hinfällig werden, wenn zwei Spieler oder mehr ihre Anteile poolen, ist verstanden worden?