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Ed Miller

Drei weitere Spielzüge schlechter NLHE-Spieler

In meinem letzten Artikel stellte ich vier typische Spielzüge schlechter NLHE-Spieler vor. Heute ergänze ich diese Sammlung um drei weitere. Die Spieler, die so spielen, sind zwar nicht so schlecht wie die letzten, ihre Spielzüge aber ungeachtet dessen Schrott.

Schlechter Spielzug Nr. 1: Raise auf dem Flop mit schwachem Top Pair auf koordiniertem Board

Niemand lässt sich gern überholen, aber schlechte NLHE-Spieler versuchen dies zu verhindern und verlieren im Endeffekt einen größeren Pot. Dazu ein Beispiel.

Drei Spieler limpen in einer Partie mit Blinds von 2 $/5 $ und 600 $-Stacks. Der aggressive Spieler auf dem Button raist auf 35 $. Die Blinds folden und alle Limper callen. Im Pot sind 147 $. Auf dem Flop kommen DqDjS8. Der erste Limper setzt 80 $, der zweite foldet und der dritte Limper raist auf 180 $. Der Preflop-Raiser foldet und der erste Limper callt. Im Pot sind 507 $ und die effektiven Stacks betragen 385 $. Auf dem Turn kommt die D4 und der erste Spieler geht All-In, worauf der andere nach längerem Nachdenken über den Flush jammert, eine Dame umdreht und foldet.

In diesem Beispiel hatte der schlechte Spieler vermutlich eine Hand wie CqC6 und verlor damit viel zu viel Geld. Das erste Problem war sein Limp und der anschließende Call des großen Raise hinter ihm. Sein Raise auf dem Flop war aber genauso mies. Vermutlich dachte er sich, „Ich habe Top Pair, aber so viele Draws sind möglich. Ich muss meine Hand schützen und alle Draws zum Folden bringen.“

Leider funktioniert Hold’em nicht so. Setzt jemand in einem geraisten Pot vor drei Spielern auf einem Board mit DqDjS8, hat er den Flop vermutlich ziemlich gut getroffen. Eventuell hat er QJ oder 88, oder er hat ein Paar plus einen Draw wie DaD8 oder XqX10.

Vielleicht hat er auch nur einen Draw wie DaD3 oder D9D7, aber was es auch ist, er wird ganz bestimmt nicht nach einem Raise folden, der nur wenig mehr als das Minimum beträgt. Demnach wird er die Turn-Karte sehen, ob man sein Top Pair mit einem solchen Raise „beschützt“ oder nicht.

Der Raise wäre immer noch in Ordnung, wenn die erwähnten Hände im Schnitt auf diesem Flop klar gegen Q6 zurücklägen. Das trifft aber nicht zu, denn die fertigen Hände des Bettors schlagen Q6 fast durchweg. Und die Draws liegen im Großen und Ganzen nicht weit hinten. Daher leistet dieser Raise nur, dass mit einer schlechten Hand mehr Geld in den Pot wandert, die anschließend gegen eine Bet nach einer der Milliarden schlechter Karten auf dem Turn gefoldet werden muss.

Es gibt natürlich Ausnahmen von der Regel, aber Top Pair mit schwachem Kicker ist auf dem Flop fast immer eine Hand zum Callen oder Folden, und nicht zum Raisen. Raisen, um die Draws abzukassieren, ist kontraproduktiv. Callen Sie, hoffen Sie auf eine günstige Turn-Karte und beten, dass Ihr Gegner nicht allzu viel Druck ausübt. Das mag ängstlich klingen, aber wenn Sie eine schwache Hand haben, bleibt Ihnen nichts anderes übrig.

Schlechter Spielzug Nr. 2: Überspielen niedriger Flush Draws

Schlechte Spieler lieben gleichfarbige Hände. (Gute allerdings auch.) Ein Blatt wie D8D5 kann einige starke Hände erwischen und eine Menge Geld gewinnen. Schlechte Spieler aber können gute Flops nicht von mittelmäßigen unterscheiden und überspielen am Ende ihre Hand.

Schauen wir uns folgende Hand bei Blinds von 2 $/5 $ an. Ein schlechter Spieler limpt und ein sehr tighter Profi raist auf 25 $. Beide Blinds callen, der schlechte Spieler auch.

Auf dem Flop kommen DaH10H7, die Blinds checken und der schlechte Spieler setzt 50 $. Der tighte Profi raist auf 150 $, die Blinds folden und der schlechte Spieler geht mit insgesamt 500 $ All-In. Der Profi callt sofort mit C10D10 und der schlechte Spieler dreht H6H4 um.

Gemäß PokerStove ist das Set 73 zu 27 Favorit, aber noch wichtiger ist, dass der Spieler mit dem Flush Draw sein Geld auf diesem Flop nie als Favorit in die Mitte bekommt. Gegen eine zufällige Hand ist er sogar 52 zu 48 Außenseiter. Da er immer hinten liegt, hängt die Profitabilität seines Spielzugs von der Bluff Equity ab, die in dieser Hand aber kaum existiert. Der Flop ist zu koordiniert, als dass drei Spieler nach dieser 50 $ Bet folden. Und die Hoffnung, dass der tighte Profi nach seinem Raise die Hand noch folden wird, ist pures Wunschdenken. Daher sind sowohl die Bet als auch vor allem der Raise schlechte Spielzüge.

Niedrige Flush Draws sind in Pots mit mehreren Spielern typische Check-Call-Hände.

Banner: The Raiser's Edge

Schlechter Spielzug Nr. 3: Durchchecken von Overpairs auf dem River

Kürzlich spielte ich folgende Hand. Die Blinds betrugen 2 $/5 $ und alle beteiligten Spieler hatten über 1.000 $. Zwei schlechte Spieler limpten und ein Stammspieler dieser Runde raiste vom Button auf 30 $. Ich callte mit DkDq im Small Blind und einer der Limper callte.

Auf dem Flop kamen C7H3D2. Ich checkte und die beiden anderen Spieler auch. Auf dem Turn kam der Sk. Alle checkten zum Stammspieler, der 75 $ setzte. Ich callte und der Limper foldete. Nach der H2 auf dem River checkte ich und mein Gegner auch. Ich zeigte erwartungsfroh meine Hand, doch mein Gegner zeigte Asse.

Der Spieler auf dem Button hätte eigentlich wissen müssen, dass seine Hand nach dieser Action in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle die beste ist. Vermutlich würde ich im Small Blind kaum seinen Raise vor dem Flop und wohl auch kaum seine Turn-Bet mit einer Zwei callen. Die einzige andere Hand, die ihn schlägt, ist ein Set und es ist komplett unplausibel bis unmöglich, dass ich dann so passiv gespielt hätte.

Auf dem River habe ich vermutlich Two Pair, mit dem ich zum Showdown gelangen will. Er hat das beste Two Pair und außerdem verschleierte er die Stärke seiner Hand mit einem Check auf dem Flop. Eine Value Bet steht damit außer Frage.

Dieser Fehler ist nicht nur teuer, sondern unter NLHE-Spielern bei niedrigen Einsätzen sehr verbreitet. Overpairs sind gute Hände. Sicher, wenn vier Karten zur Straight oder zum Flush kommen, sind sie nicht mehr so gut, aber wenn Ihre Gegner permanent checkten, sind Overpairs für Bets geeignet. Checken Sie damit nicht durch.


Kommentare


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  • zawi
  • 09.06.11

Man wird halt leicht lesbar wenn man immer alles “richtig” macht …


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  • Stammleser
  • 09.06.11

Wenn man alles richtig macht, ist man unlesbar, denn nur wenn man unlesbar ist, bekommt man Max-Value und hat so also richtig gespielt… Du merkst, man sollte definieren, was “richtig” heißt… und wenn Du jetzt meinst, dass richtig heißt, dass man nach Lehrbuch spielen heißt, dann zeig mir ein Lehrbuch, wo drin steht, dass Du eine bestimmte Hand immer gleich spielen musst. Falls Du so eins hast, schmeiss es weg, es gibt viele bessere.


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  • Sky
  • 10.06.11

zum schlechten Spielzug 2>

Flop-Action, im Pot $100, Check-Check aus den Blinds, dann der Flushdrawer mit $50, geraist vom extra-tighten Pro auf $150, Flushdrawer geht AI, Pro callt.

Frage: War der Raise des Pro nicht eine Spur zu dünn, denn der FD-Mann kriegt mit $100 für dann $400 und 9 aus 45 (aus Sicht des Set-Mannes) gute Odds, sofern der FD-Mann wirklich auf dem FD ist…

Das AI war natürlich lau, er muss callen.

Sky


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  • Razi Akhund
  • 10.06.11

nice one