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Strategie von Ed Miller
Ed Miller

Niedrigeres Buy-In, mehr Gewinn

Beim Internetpoker hat sich ein „Standard-Buy-In“ für No-Limit Hold’em etabliert, das 100 Big Blinds beträgt. Bei 1 $/2 $ entspricht dies 200 $, bei 5 $/10 $ sind es 1.000 $. Beim Live-Poker sind 100 Big Blinds zwar nicht unbedingt Standard, aber immer noch populär. Vielleicht kaufen Sie sich bei 2 $/5 $ mit 500 $ ein oder sogar mit mehr Geld.

Meines Erachtens wäre es für viele NLHE-Spieler aber besser, sie würden sich mit etwas weniger einkaufen. Tatsächlich glaube ich, dass einige Spieler mehr Geld gewännen, wenn sie sich statt mit 100 Big Blinds mit 50 an den Tisch setzen würden.

Die größten Fehler werden auf dem River gemacht. Aus diesem Grund kaufen sich die besten NLHE-Spieler oft mit mehr Geld als alle anderen Spieler am Tisch ein, um große Pots auszuspielen und maximalen Vorteil aus diesen groben Fehlern auf dem River zu schlagen.

Gehen wir aber davon aus, dass Sie nicht zu den besten NLHE-Spielern der Welt zählen. Sie sind nur gut. Sie spielen tight. Sie sind geduldig. Sie machen nicht oft gewagte Calls mit Ass hoch und versuchen keine riesigen Bluffs. Stattdessen warten Sie meist auf gute Hände, schieben Ihr Geld in die Mitte und hoffen auf Auszahlung. Dann ziehen Sie maximalen Vorteil aus einigen immer wiederkehrenden Fehlern von Live-Spielern, wenn Sie sich statt mit 100 nur mit 50 Big Blinds einkaufen.

Live-Spieler sind bei Preflop-Raises zu loose. Schauen Sie sich Folgendes an. In einer Partie mit Blinds von 2 $/5 $ limpt ein Spieler, ein anderer raist auf 30 $. Der Cut-Off callt, der Button callt, der Small Blind callt und der Limper callt. Es sind bereits 155 $ im Pot und vermutlich haben zumindest zwei dieser Spieler keine besonders gute Hand. So verlaufen Live-Partien immer.

Eine einfache Methode, um diese Fehler auszunutzen, besteht darin, sich mit 50 Big Blinds einzukaufen und vor dem Flop All-In zu gehen, wenn Sie am Zug sind und schon eine Menge Geld im Pot ist. Nehmen wir an, Sie haben SqSj im Small Blind. Ein schlechter Spieler limpt, der Nächste raist auf 25 $ und zwei andere callen. Im Pot sind 87 $ und Sie haben einen Stack mit 250 $. Gehen Sie All-In, denn der Spielzug ist profitabel.

Nehmen wir an, Sie werden von jemandem gecallt, der 99+, AK, AQ oder AJs hat. (Viele Spieler folden einige dieser Hände, andere callen mit mehr.) Gemäß PokerStove haben Sie eine Gewinnchance von etwa 33 Prozent gegen dieses Spektrum von Händen. Nach einem Call gewinnen Sie 87 $ plus 225 $, sprich 313 $ in einem Drittel der Fälle. Dadurch ergibt sich ein durchschnittlicher Verlust von 63 $ bei einem Call.

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In der Regel werden Sie aber nicht gecallt. Oft hat der Raiser eine Hand wie X4X4 oder XaX9 oder S9S8 und foldet. Bei den Callern ist es sogar noch unwahrscheinlicher, dass sie eine Hand zum Callen haben. Werden Sie nicht gecallt, gewinnen Sie den Pot mit 87 $. Sie riskieren also einen durchschnittlichen Verlust von 63 $, um die 87 $ im Pot zu gewinnen. Versuchen Sie diesen Steal nicht zu oft, werden Sie feststellen, dass er deutlich öfter als in der Hälfte der Fälle funktioniert.

Das liegt nicht daran, dass SqSj eine tolle Hand wäre. Der Gewinn rührt allein von den anderen Spielern, die mit schlechten Händen vor dem Flop Geld investieren. Sie können in dieser Situation mit vielen anderen Händen All-In gehen und ebenfalls Profit erzielen.

Spielen Sie ansonsten tight und konservativ, bietet Ihnen dieser Spielzug einen weiteren Vorteil, wenn Sie ihn gelegentlich vom Stapel lassen. Er bringt Ihnen in späteren Händen Calls ein. Nehmen wir an, Sie verdoppeln Ihr Buy-In und floppen dann ein Set. Sie setzen auf Flop und Turn und werden von einem Spieler mit Top Pair gecallt. Gehen Sie auf dem River All-In, wissen Ihre Gegner, dass Sie mit SqSj All-In gegangen sind (oder einer ähnlichen Hand) und vermuten eventuell einen Bluff. Natürlich sind die beiden Situationen völlig anders, aber Ihre gelegentlichen wilden Spielzüge vor dem Flop werden Zweifel bei Ihren Gegnern säen. Diese wiederum bringen Ihnen Calls ein.

Das Preflop-All-In ist nicht die einzige Methode, um mit einem halben Stack zusätzliches Geld zu gewinnen. Das können Sie auch mit einem gefloppten Top Pair, mit dem Sie auf dem Flop oder Turn ins All-In gelangen. Die Idee ist folgende: Spielen Sie mit 300 Big Blinds, sind Hände wie XkXjo von bescheidenem Wert. Sie floppen mit dieser Hand Top Pair, aber es ist noch genug Geld da, dass jemand mit 86 eine oder zwei Bets callen und Ihnen auf dem River das Leben zur Hölle machen kann, wenn eine gefährliche Karte kommt.

Haben Sie aber 50 Big Blinds, ist KJ schlicht besser als 86. Sie können Top Pair treffen und das Geld in die Mitte bekommen, bevor das Board gefährlich wird. Der entscheidende Punkt ist, dass andere Live-Spieler sich nicht darauf einstellen. Selbst mit Stacks von 50 Big Blinds oder weniger spielen sie 86s oder 98o, als wären diese so stark wie KJ.

Sie gewinnen also Geld, wenn Sie mit KJo vor dem Flop raisen (und 86s bzw. 98o folden) und mit Top Pair Ihr Geld in die Mitte bringen.

Spielen Sie 2 $/5 $ und kaufen sich normalerweise mit 500 $ ein, sollten Sie es beim nächsten Mal mit 250 $ probieren. Innerhalb der ersten Stunde sollten Sie nach einem der genannten Spielzüge Ausschau halten. In vielen Sessions werden Sie Ihr Geld günstig unterbringen und recht schnell bei Ihrem normalen Buy-In von 500 $ landen. Bietet sich keine günstige Gelegenheit, können Sie sich jederzeit mit mehr Geld einkaufen.

Es gibt noch einen weiteren unbestreitbaren Vorteil, sich nur mit einem halben Stack einzukaufen: Die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass Sie Ihr mitgebrachtes Geld verlieren. Nehmen wir an, Sie spielen 2 $/5 $ und gehen in der Regel mit 1.500 $ ins Casino. Kaufen Sie sich mit 500 $ oder mehr ein, kann es sein, dass Sie nach einer oder zwei unglücklichen Händen mit Ihrem letzten Geld dasitzen. Früh heimgehen zu müssen, weil das gesamte Geld weg ist, kann sich mies anfühlen. Spielen Sie mit Ihrem letzten Geld, sitzt Ihnen dieses miese Gefühl in jeder Hand im Nacken. Meist führt dies dazu, dass man nicht mehr optimal spielt.

Kaufen Sie sich mit 250 $ ein und gehen mit diesem Geld sorgfältig um, verlieren Sie Ihre 1.500 $ fast nie, bevor Sie heimgehen wollen. Das bedeutet weniger Tilt, klareres Denken und besseres Spiel. Und eine bessere Gewinnquote.


Kommentare


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  • Newcomer
  • 31.05.11

Schöner Artikel !!! Sehr empfehlenswert !!! Finde es nur seltsam, das dies beim Onlinepoker nicht funktioniert. Dort interessiert es keine Sau, ob du mit 20, 50, 100 oder 200BB sitzt, da wird so mancher zur Callingstation. Was ich nie begreifen werde sind folgende Calls: Spieler 1 hält 10 10, Sp. 2 A Q. Preflop-Raise 4BB. Flop 7 5 9. Spieler 2 bet Pot, Sp. 1 All-In. (mit ca. 8xPot) Sp. 2 “Call”... Den weiteren Verlauf und die Größe der Stacks spare ich mir mal, weil ich es schon in den unterschiedlichsten Varianten erlebt habe. Ich stelle mir dann die Frage “Warum geht der Spieler nicht Preflop All-In, wenn er die Hand auf dem Flop ohne Treffer oder Draw eh nicht wegwirft ??? Und solche Calls kommen nicht nur von “Fischen”, sondern auch von Spielern die eigentlich eine recht gute Rate haben…


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  • Womarchs
  • 31.05.11

@Newcomer

Es ist nicht ganz neu und es gibt auch Strategien die diese Idee im Onlinepoker umsetzt wie z.B. SSS (20BB) noch auf allen Seiten möglich war. Mittlerweile wird die MSS (40BB) auch oft gespielt. Und es macht einen großen Unterschied ob mein Gegner mir mit 50,100 oder 200 BB gegenüber sitzt.


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  • Newcomer
  • 31.05.11

Ja, aber Livepoker ist dann doch ein Unterschied. Dort kann man diese Strategie wesentlich besser spielen, weil Online genau aus dem gegenteiligen Grund gecallt wird nach dem Motto “och ich call mal, der hat ja nicht soviel…” Laugh


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  • Genie_007
  • 31.05.11

Hab nicht soviel online-cashgame erfahrung aber solche situationen wie oben schrieben hat man online nie( raise 6BB und 3 caller), bei 1$/2$ wird im internet schon viel zu gut gespielt als dass solche situationen noch zu stande kommen. Aber besonders live gibts immer wieder spieler die einfach jede hand raisen besonders wenn vorher schon gelimpt wurde, dann weiß natürlich jeder am tisch dass der initialraiser nciht wirklich stark und alle callen und dann stellt man selbst seinen stack rein mit KJ z.B.( Hab das im kings auch schon so probiert bloß mit dem gewinnen hats noch nicht geklappt aber an sich standen meine chancen nicht schlecht)


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  • zawi
  • 31.05.11

Als Nachteile fällt mir spontan ein:

-man riskiert immer halben Stack für wenige Preflop Chips -man gewinnt weniger gegen schwächere Big Stacks -man lernt nie pokern wenn man Angst vorm River hat


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  • Jörg
  • 31.05.11

Was live noch bei 2/4 funktioniert klappt im Internet sicher gerade mal noch bei 0,10/0,25. Wobei ich mir selbst da nicht sicher wäre. Glare

Wobei einem das Spiel mit einem kleinen Stack den Vorteil verschafft das man an seinem Spiel auf Turn und River nicht viel arbeiten muss weil man dann schon all-in ist Huh

Gruss


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  • Ted Bort
  • 31.05.11

Was der Hennes Bender immer für gute Artikel schreibt!


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  • Cherrit
  • 31.05.11

Starker Artikel !! ... auch wenn einige diese Möglichkeit sicherlich schon als gewinnbringende Variante entdeckt haben mögen …

C.


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  • neste
  • 01.06.11

danke , dass nun noch mehr von dieses short stack spackos rumsitzen werden