Scotty Nguyen - Fluchen ohne Ende
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- Goetz Schrage, Freitag. 22. August 2008
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Scotty Nguyen, wie ihn wenige kennen. Statt charmanten Babygeplauder wird ordentlich Rabatz gemacht. H.O.R.S.E 50k WSOP 2008 auf Platz Eins und absolut sehenswert. Am zweiten Platz sehen wir einen ebenso entfesselten Phil Laak, der wie ein Pokerderwisch durch das Fernsehstudio sprintet und am dritten Platz beschäftigt sich eine ins Bild gesetzte Studie mit der Frage, was denn aus all den Top-Spieler der Pokerwelt abseits des Spieltisches wohl geworden wäre.
von Götz Schrage
Erster Platz
Fluch und Segen des Fernsehzeitalters. Früher konnte man Bier trinken, ein wenig die Contenance verlieren und ungestraft fluchen, soviel man wollte. Kaum wer hatte es gesehen und spätestens beim nächsten Turnier war alles vergessen. Heute sind Kameras und Mikrophone überall! Da ist der Ruf weg und die Fans verlieren sich in alle Casinohimmelsrichtungen, so schnell kann man sich gar nicht entschuldigen.
Für Scotty Nguyen gilt das selbstverständlich alles nicht (bis auf die Sache mit dem Preisgeld). Scotty darf quasi alles, solange die verbalen Ausbrüche durch konsequentes Repetieren seines Lieblingswortes „Baby“ entscheidend abgemildert werden. Außerdem liegt die Schuld an dem unverzeihlich langsamen servierenden Bierlieferanten. Drei Männer am Tisch kämpfen in Summe um mehr als $4.000.000 und keines der Cocktailgirls in Sichtweite. Das kann ein Scotty Nguyen selbstverständlich nicht auf sich sitzen lassen, nur was kann der arme Michael DeMichele dafür? (Obwohl „arm“ trifft es auch nicht wirklich. Wer ließe sich nicht gerne für mehr als eine Million Dollar ein wenig beschimpfen. Noch dazu von Scotty N.) – Für Pokerfeinspitze gibt es mathematisch grandiose Begegnung 
vs. 
– Flop 

und am Ende spielt der Kicker 4.
Zweiter Platz
Und weiter geht es mit der modernen Medienwelt. Nur im Gegensatz zu Scotty Nguyen, der die anwesenden Kameras in seinem Zorn zu ignorieren scheint, muss sich Phil Laak im folgenden Clip genau den gegenteiligen Vorwurf gefallen lassen. Aus einer an und für sich recht unspektakulären Begegnung generiert Showprofi Laak die maximale Aufmerksamkeit. Sehr zum Missfallen seiner Mitspieler und auch der sonst doch eher reservierte und keinesfalls für seine kritischen Bemerkungen bekannte Phil Ivey lässt sich zu einem: „What is poker come to“ hinreißen. – Nun vielen gefallen diese Einlagen und ich auch amüsiere mich gelegentlich über die Pokertwins Esfandiari und Laak, an dieser Stelle allerdings wirkt der Auftritt doch deutlich überzogen.
Poker gespielt wird in diesem Clip selbstverständlich auch. Quasi als Ouvertüre zum eigentlichen Höhepunkt gibt es eine Begegnung Andy Bloch gegen Allen Cunnigham, der man durchaus das Prädikat „Sehenswert“ verleihen kann.
Dritter Platz
Ist das eine reine Alterfrage oder liegt es an meiner aufnahmetechnischen Behäbigkeit? Jedenfalls das folgende Filmchen hat zugegeben seine komischen Highlights, versetzt mich aber anderseits maßlos in Stress und nach dem aufmerksamen Betrachten ist eine zehnminütige Bettruhe angesagt
Unter dem Titel „If They Never Played Poker“ hat sich wer die Mühe gemacht, gefühlte 178 durchaus witzige Ideen in 291 überladene Sekunden zu verpacken. Eine Photoshoppointe jagt die nächste und verschwendet man mit einem kleinen Grinsen unnötige Energien knallen einem schon die nächsten 17 Witze entgegen. – Vielleicht ist das für die junge Generation ein ganz normales Tempo. Wer zehn Tische gleichzeitig spielen kann, der wird auch mit dem folgenden Clip keinerlei Probleme haben. – Allen anderen empfehle ich die Baldriantropfen für transatlantische Schlechtwetterflüge in Griffweite zu haben. Sie werden sie nötig haben.
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